Liebe Menschen in der Kirchengemeinde St. Johannis Brügge!

Nun haben wir schon eine Woche unter den erschwerten Ausgangsbedingungen geschafft.
Das ist gut und ich wünsche uns die Kraft und die Besonnenheit, weiterhin durchzuhalten. Die Appelle in den Medien dazu sind zahlreich und ich glaube, jeder von uns hat auch verstanden, worum es geht.
Wir müssen Abstand voneinander halten, damit sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig mit dem Virus infizieren, um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten, so dass es allen helfen kann, die Hilfe brauchen. Und wir leben von der Hoffnung, dass es bald Medikamente geben wird, die gegen das Virus wirken.
Leider ist das nur dadurch möglich, dass wir den Kontakt zueinander einschränken. Die Diskussionen dazu können Sie täglich in den einschlägigen Medien verfolgen. Jeder kann gut informiert sein, wenn er will.

Wenn wir aber den Kontakt zueinander einschränken, brauchen wir Zeichen der Verbundenheit. Da findet sich bei uns schon sehr viel und ich freue mich über jede Nachricht, die von der Kreativität der Menschen in den Zeiten der Krise erzählen. Nun habe ich davon gelesen, dass unsere Gaststätten aus der Not eine Tugend gemacht haben und auf Lieferservice umgestellt haben. Aber auch über die Mahlzeiten hinaus werden Angebote gemacht.
Und ich hatte neulich einen Zettel im Briefkasten, auf dem zwei jungen Menschen angeboten haben, dass Sie allen helfen wollen, die Hilfe nötig haben. Wie schön!!
Es gibt dann doch so viel an Unterstützung in der Nachbarschaft, im Ort, in der Gemeinde, im Bekanntenkreis oder in der Familie. Und jeder kann mitmachen, selbst diejenigen, die zuhause bleiben sollen, können beispielsweise andere Menschen anrufen, die auch zuhause bleiben sollen, um eine kleine Abwechslung in den Tag zu bringen und um von sich hören zu lassen.
Gerade lese ich von einer Frau aus der Gemeinde, die lange nicht mehr im aktiven Pflegedienst im Krankenhaus gearbeitet hat, dass sie sich freiwillig gemeldet hat, wieder aktiv am Patienten zu arbeiten.
Auch das ist schön und ich will mit offenen Augen und Ohren verfolgen, was sich noch alles in dieser Zeit entwickelt. Wenn Sie Lust haben, erzählen Sie mir davon und schreiben mir eine Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Die Nordkirche hat ihren Kirchengemeinden als Zeichen der Verbundenheit das Hoffnungsläuten vorgeschlagen. Täglich zur 12. Stunde, also mittags, sollen landesweit in jeder Gemeinde die Gebetsglocken der Kirchen zum Innehalten aufrufen und zur Gottesdienstzeit am Sonntag ebenso.
(Wir in unserer Gemeinde praktizieren schon lange das sogenannte „Angelusläuten“ um 12.00 Uhr mittags und abends um 18.00 Uhr. Eine aus der katholischen Tradition stammende Gewohnheit.)

Vielleicht ist es denen, die nahe genug an der Kirche wohnen oder auch denen, denen der Wind den Klang der Glocken gestern am Sonntag gebracht hat, aufgefallen, dass unsere Glocken zur Gottesdienstzeit wieder geläutet haben. Nun aber eben um 10.40 Uhr als Einladung zum Gebet zuhause und nicht um 10.30 Uhr wie sonst, als Einladung zum Gottesdienst in der Kirche.
So wird es jetzt jeden Sonntag sein, so dass Sie wissen, dass wir sonntags durch das Gebet zur Gottesdienstzeit miteinander verbunden sind, ebenso wie jeden Werktag um 12.00 Uhr mittags.
Ich lade Sie also herzlich dazu ein, wenn Sie die Glocken Ihrer oder die einer anderen Kirche hören, sich einen Moment Zeit zu nehmen und innezuhalten, im Wissen um die gemeinsame Verbundenheit in ihrer Gemeinde aber auch aller Menschen untereinander.

Mag uns das Gebet und das Wissen um die Verbundenheit miteinander in dieser schweren und ungewissen Zeit Kraft geben.

So wird es Sie nun nicht verwundern, dass ich Ihnen heute ein Gebet schicke. Ich habe es gestern stellvertretend für uns alle in der Kirche gebetet mit einem Vaterunser:

 

Gott –

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Deine grenzenlose Liebe, Gott,
für die Infizierten,
die Kranken,
die Sterbenden.

Wir denken an die, die uns nahestehen.

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Wir denken an die Betroffenen in Italien, in Spanien, …
in Europa, in aller Welt.

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Deine grenzenlose Liebe, Gott,
für die, die kein schützendes Obdach haben,
für die, die zwischen den Grenzzäunen gefangen sind,
für die, die zwischen Trümmern ausharren.

Wir denken an die, die ohne Obdach sind.

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Wir denken an die Flüchtlinge auf Lesbos,
an die in Transiträumen Gestrandeten,
an die Menschen in Syrien.

Wir denken an die Flüchtenden dieser Welt.

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Deine grenzenlose Liebe, Gott
für alle, die pflegen,
für alle, die sich in Gefahr begeben,
für alle, die forschen und sich nicht schonen.

Wir denken an alle, die in den Krankenhäusern für die Kranken da sind.
Wir denken an alle, die uns mit Lebensmitteln und allem, was wir brauchen,
versorgen.

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Wir denken an die politisch Verantwortlichen.
Wir denken an die Wissenschaftlerinnen und Forscher in den Laboren.

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Deine grenzenlos Liebe, Gott -
wir brauchen sie,
alle, die eingeschlossen sind und in Quarantäne ausharren brauchen sie,
die von häuslicher Gewalt Bedrohten brauchen sie.
die Alleingelassenen brauchen sie,
die Verzweifelten brauchen sie.

Deine grenzenlose Liebe,
Gott –
sie hält uns,
sie trägt uns.

Quelle der Liebe.
Verteidigung in der Angst.
Du bist da.

Bleib bei uns und bei deiner Gemeinde –
heute und jeden neuen Tag.

Amen.

 

Sie finden dieses Gebet auf der Seite der VELKD im Internet. Auch eine Quelle der geistlichen Inspiration in dieser Zeit.
Vielleicht mögen Sie allen, die dieses Medium nicht nutzen können, von dem Gruß Ihrer Kirchengemeinde und Ihrem Pastor am Anfang der Woche erzählen oder lesen Sie einfach denen den Brief vor, die das Internet nicht nutzen, um auch hier ein Stück Verbundenheit zu erleben.

So grüße ich also alle auf diese Weise!

Seien Sie behütet und handeln Sie besonnen.
Ihr Pastor

Henry Koop